Die Tinder-Generation

„Bist du ein Dating-Pessimist?“

lese ich auf der Zeitschrift im Wartezimmer und frage mich, ob da nicht etwas dran ist. Denn Dating in der Tinder-Generation, bei der jeder auf sein Handy starrt und wahllos alles nach rechts swiped, ist eigentlich nichts für mich. Aber fragt mich jemand, ob ich Tinder nutze, sage ich ja.

Wer mich kennt weiß: Ich werde nie angesprochen, geschweige denn angelächelt, aber vielleicht liegt das eher an meiner Berliner „Guckmichnichtan“-Attitüde, die ich an den Tag lege oder an meinem Selbstbewusstsein. Nicht gerade die beste Kombination meinen Erfahrungen nach zu urteilen. Wenn der Taxifahrer sagt, dass er sich als Mann nicht mit dir anlegen würde, frage ich mich wie mich andere Leute von Außen sehen. Definitiv nicht als einfaches Dating-Material. Das steht schon mal fest. Dabei bin ich ganz entspannt und will mich mal wieder so richtig verlieben – aber nicht in irgendwen. Er soll groß sein, gut gebaut, gut aussehen, aber nicht ZU GUT, denn sonst ist er wahrscheinlich eitel oder ganz schnell wieder weg.

Wenn es ums Daten geht, bin ich motiviert. Doch schaue ich mir die Profile an kann ich nicht anders als den Kopf schütteln. Der Typ mit der Babykatze oder doch das Oben-Ohne-Spiegel-Selfie aus dem Gym? Zu oft gesehen und zu oft nach Links geswiped. Wer auf Tinder versucht Originalität zu verkaufen, der sollte lieber Comedian werden. Doch suchen wir nicht gerade nach jemanden Besonderen und schließt sich das dann nicht automatisch aus?

Es macht mich immer wieder neugierig, ob man auf Tinder wirklich jemanden kennenlernen kann. Aber nach nur 15 Minuten swipen tut nicht nur der Finger weh, sondern auch der Gedanke jemanden zu finden, der wirklich zu mir passt. Wenn man ehrlich ist, hätte ich meine Ex-Freunde wahrscheinlich alle nie kennengelernt, hätte ich sie einem Foto nach beurteilt. Erstens hatten die alle keine Ahnung wie man sich gekonnt in Szene setzt und zweitens,  waren die auch nicht fotogen (#sorrynotsorry). Also was suche ich hier eigentlich? Das ist alles so oberflächlich.  Ich lösche die App.

Doch sobald das geschieht, holt sie mich wieder ein. Auf Arbeit tauchen Geschichten von Freundinnen auf, die vor Kurzem erst jemanden darüber kennengelernt haben. Also gehe ich mit dem Wissen nach Hause und lade die App wieder auf mein Handy. Wenn andere es hinbekommen, will ich es auch! Liegt es vielleicht an mir?

Fragt mich jemand bei Tinder, ob wir uns treffen wollen, will ich eigentlich. Nur sieht er so klein aus auf dem Bild und irgendwie ist das Foto so verschwommen. Ich kann ihn nicht wirklich erkennen… es ist so gemütlich auf dem Sofa. Ich verschiebe das besser auf morgen. Ich bin nicht faul, aber etwas skeptisch. Daher vertraue ich lieber weiterhin meinem Schicksal und nehme das alles einfach nicht zu ernst. Denn wollen wir nicht eigentlich tief in unserem Inneren unsere eigene Lovestory schreiben?

Was haltet ihr von Tinder? Habt ihr dort bereits jemanden kennengelernt oder wie sind eure Erfahrungen?

 

Photo by Kon Karampelason Unsplash

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